Kommende Termine
5. November 2026 – 18 Uhr | Neue Horizonte
24. November 2026 – 19 Uhr | Wie lange ist man Gast?
10. Dezember 2026 – 19 Uhr | Fiktion und Zeitzeuginnenschaft: «TEUTONISTAN» im Dialog mit Berrin Önler-Sayan
17. Dezember 2026 – 19 Uhr | Die Gerichte meines Vaters
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Neue Horizonte

Die gemeinsame Performance bringt „Körper, die sprechen lernen I“ von Modupe Laja mit „Neue Horizonte“ von Karnik Gregorian und Bülent Kullukcu zusammen – einer ortsgebundenen Erkundungsperformance im Münchner Stadtraum, die die eurozentrische, männlich dominierte Erzählung von Wissenschaft hinterfragt. Die Verflechtung von Macht und kolonialer Geschichte zeigt sich in Culas fragmentarischer Biografie: Cula aus Dahomey, dem heutigen Benin, kam 1892 als Teil einer inszenierten „Amazonen“-Truppe im Rahmen von Völkerschauen nach München und starb mit 17 Jahren. Ihr Körper wurde posthum am Pathologischen Institut untersucht und auf dem Alten Südlichen Friedhof bestattet. Culas Geschichte erhält eine künstlerische Stimme, die sie als Subjekt der Erinnerung hörbar macht. Die Performance fragt, welche Körper „im Dienste der Wissenschaft“ ausgebeutet und instrumentalisiert und wessen Stimmen gehört oder überhört und zum Schweigen gebracht wurden.
MIT: Otone Sato (Schauspiel), Modupe Laja (Lyrik & Erzählbeitrag), Galerie Kullukcu & Gregorian (Regie, Video, Musik, Produktion)
Kuratiert von: Modupe Laja sowie Karnik Gregorian und Bülent
Kullukcu.
18:00 UHR | Treffpunkt Pathologisches Institut Säulengang Thalkirchener Str. 36, 81371 München / Ecke Wincklerstr. Gegenüber dem Alten Südlichen Friedhof. Dank der Überdachungen findet die Performance-Erkundung zum Gedenkort LIVING LAYERS auch bei Regen statt.
Veranstaltet von: MAAT Medienkollektiv Afrodiaspora Archiv und
Galerie Kullukcu & Gregorian
Kommende Veranstaltungen meiner Schreib-Residency in der Monacensia
Wie lange ist man Gast?
24. November 2026 – 19 Uhr | Lesung und Gespräch mit Özlem Özgül Dündar und Karnik Gregorian
Man beschäftigt sich nicht freiwillig damit: Von außen, der Gesellschaft und dem Kunstbetrieb, wird erwartet, dass Autor*innen mit eigener oder familiärer Migrationsgeschichte über „Gastarbeit“ und Migration schreiben. Meist werden sie auch nicht als deutsche*r Autor*in bezeichnet, sondern deutsch-sonstirgendeinland. Ihre Werke werden pauschal der (post-) migrantischen Literatur zugeordnet – unabhängig vom eigentlichen Inhalt.
Warum gibt es diese Zuschreibungen? Und wie prägen sie das eigene künstlerische Schaffen?
In »Wie lange bleibt man Gast?« liest und spricht die Autorin Özlem Özgül Dündar über diese Fragen. Im Gespräch mit Karnik Gregorian reflektiert sie, wie sie eine künstlerische Identität jenseits von Herkunftszuschreibungen entwickelt, warum sei einen Essay über die erste Generation der sogenannten „Gastarbeiter*innen“ geschrieben hat und ob es so etwas wie eine künstlerische Verpflichtung gibt, sich mit früheren Generationen auseinanderzusetzen.
Eintritt frei
Fiktion und Zeitzeuginnenschaft: «TEUTONISTAN» im Dialog mit Berrin Önler-Sayan
10. Dezember 2026 | 19 Uhr – Szenische Lesung aus dem Theaterstück «TEUTONISTAN» mit Anne-Isabelle Zils und Bülent Kullukcu sowie Gespräch mit der Zeitzeugin Berrin Önler-Sayan.
Der Abend verbindet zwei Erzählstränge: Szenische Lesungen aus dem Theaterstück »TEUTONISTAN« wechseln sich mit einem Gespräch mit der Zeitzeugin Berrin Önler-Sayan ab – eine der Organisator*innen des ersten ausländisch deutschen Frauenkongresses von 1984. So entsteht ein Dialog zwischen der künstlerisch-dokumentarischen Fiktion und historischer Erfahrung, zwischen literarischer Erzählung und politischer Realität.
»TEUTONISTAN« erzählt deutsche Geschichte aus migrantischer Perspektive – kraftvoll, wütend, poetisch. Im Zentrum steht Turgut Özben, der dem verschollenen Manuskript seiner Tante Selma Aydin nachspürt. Selma, inspiriert von realen Biografien migrantischer Frauen, wird zur Chronistin des Unsichtbaren. Ihre Erinnerungen bilden den Resonanzraum für diejenigen, die Deutschland mit aufgebaut haben und bis heute um Zugehörigkeit ringen.
Zwischen diesen Szenen gibt es Gespräche mit Berrin Önler-Sayan: Sie berichtet von den politischen Kämpfen migrantischer Frauen in den 1980er Jahren, von der Entstehung des historischen Frauenkongresses, von den Debatten über Aufenthaltsrecht, Arbeit, Gesundheit und Selbstbestimmung.
Die literarischen Szenen öffnen emotionale Räume, die historischen Erfahrungen schärfen den politischen Blick. Gemeinsam machen sie sichtbar, wie migrantische Lebensgeschichten unsere Gesellschaft geprägt haben – und warum ihre Stimmen heute unverzichtbar sind.
Konzept und Moderation: Karnik Gregorian
Lesung: Anne-Isabelle Zils und Bülent Kullukcu
Dauer: ca. 90 Minuten ohne Pause
Eintritt frei
Die Gerichte meines Vaters

Essen ist Erinnerung: Mit dem Film Die Gerichte meines Vaters erzählt Karnik Gregorian die Geschichte seines Vaters. Der Armenier Kevork Gregorian wurde 1932 im Osten der heutigen Türkei geboren. Durch die Massaker der Türken an den Armeniern verlor er 1938 einen Großteil seiner Familie und wurde vertrieben. 1962 kam er als sogenannter „Gastarbeiter“ nach Deutschland und fand im schwäbischen Giengen an der Brenz eine neue Heimat. Der Filmemacher Karnik Gregorian erzählt die Lebensgeschichte seines Vaters anhand von fünf Gerichten, die exemplarisch für einzelne Lebensabschnitte stehen.
Cordon Bleu, Bulgur, Bohneneintopf, Sulu Köfte und Brot mit Knoblauchjoghurt – Kevork Gregorians Kochkünste reichen von schwäbischen Spezialitäten bis zu alten armenischen Gerichten seiner Kindheit. Doch für ihn bedeutete das Kochen immer mehr. Nach dem Tod seiner Ehefrau musste der alleinstehende Vater dreier Kinder erst einmal kochen lernen – im Laufe der Jahre wurde es seine Leidenschaft. Durch die Gerichte drückt er seine Gefühle aus und heute sind sie Wegweiser und Antworten für sein Leben. Jedes Gericht steht für eine bestimmte Epoche in seinem Leben, in jedem steckt seine Herkunft, die Geschichten und Erlebnisse, die er in den 93 Jahren seines Lebens gemacht hat und damit seine Identität. Vom Leben seines Vaters, das geprägt ist von Verlust und Tod sowie dem unbedingten Willen weiterzuleben und sein Schicksal anzunehmen, erzählt Karnik Gregorian mit seinem Dokumentarfilm Die Gerichte meines Vaters sehr persönlich, aber ohne jemals die Distanz zu verlieren.
Dabei begibt sich der Filmemacher auf eine Reise von der schwäbischen Kleinstadt Giengen an der Brenz an den Ursprung seines armenischen Vaters, der im Osten der Türkei in einem kleinen Dorf geboren wurde. Hier verübte das türkische Militär 1938 ein Massaker an der Bevölkerung, bei dem Kevork Gregorian nicht nur seine Mutter und zwei Geschwister verlor. Nur mit Glück konnte sich der damals Sechsjährige unter einem Stein verstecken und so der Ermordung entgehen. Die Reise führt den Filmemacher bis zum Ararat, dem heiligen Berg der Armenier und damit an den Ursprung seiner eigenen Abstammung als Armenier.
VHS Taufkirchen, Ahornring 121, Raum 3.1, 82024 Taufkirchen
Gebühr: 6,00 € / 4,50 € ermäßigt